Gestern erinnerte mich mein Kühlschrank unwiderruflich meine 5-stellige PIN auf eine 8-stellige umzustellen. Denn sonst käme ich beim heutigen Frühstück nicht an meine frische Erdbeermarmelade. Brav folgte ich den Eingaben und öffnete mit der neuen 8-stelligen PIN die gekühlten Vorräte. Doch die Gedanken laufen: Warum plötzlich den Code ändern? Ausländische Geheimdienste? Hatte meine Nachbarin heimlich den Code gehackt und meine Eier für ihre frisch gebackenen Kekse entwendet? Nun schnell noch die neue PIN merken – besser notieren – aber das Telefon klingelt: Ewald fragt, wo er gestern nach dem Stammtisch seinen Zündschlüssel gelassen hat? Wir überlegen. Und so beginnt der Tag.
Am Abend ein Brot mit Aufschnitt und Bier wäre angebracht. Der Kühlschrank wünscht nun die neue 8-stellige PIN. Ach, wie, was war da noch beim Frühstück. Muss wohl diese Groß-, Klein-, Ziffern-, Sonderzeichen- (dieses aber nicht) Folge gewesen sein! Kein Zettel nichts. Ich stehe auf dem Schlauch. Nach mehreren vergeblichen Versuchen meldet das Display: Zugang gesperrt!
Wat nu>? Bedienungshandbuch, Hotline, Google, Brecheisen? Muss ich jetzt verhungern und verdursten?
Ich schreibe an das Ministerium für KI und Grundversorgung mit dem Thema: Welche Lösungen habe ich als gesunder Mensch ohne Passwörter, Sicherheitscodes, Zwei–Faktor–Authentifizierung oder Photo-TAN-Verfahren die Zukunft zu überleben. Helfen Sie mir bitte, ich habe inzwischen mehr Zugangs-Identitäten als 13ner-Muttern in der Werkstatt. Die Muttern werden weniger aber die Passwörter werden länger und fast täglich mehr.
Die Antwort des Ministeriums steht noch aus oder aber schon in der Cloud.
PS.: Trotz allem ein herzliches Dankeschön an alle Mitarbeiter von Service-Hotlines, die sich mit unendlicher Geduld durch den Arbeitstag quälen, genervt durch Anrufer mit geringer geistiger Speicherkapazität oder zunehmender Altersvergesslichkeit.